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Monthly Archive November 2017

Ursache und Wirkung, der Wolf versteht das besser als der Hund

15.09.2017: Greift man auf den heißen Herd, dann verbrennt man sich. Das Prinzip von Ursache und Wirkung lernt der Mensch schon von Kindesbeinen an. Doch auch Tiere, wie der Wolf, verstehen diesen Zusammenhang und das sogar besser als ihre von uns domestizierten Nachfahren. Forschende am Wolf Science Center der Vetmeduni Vienna zeigten, Meister Isegrim hat ein ausgeprägteres kausales Verständnis als Hunde und er reagiert auch auf kommunikative Hinweise von Menschen gleichwertig. Die Studie in Scientific Reports gibt damit einen Einblick, dass sich Domestikation möglicherweise auf die Wahrnehmung auswirken kann.

Gewalt erzeugt Gegengewalt ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Eine einfache Geste zeigt uns Menschen wie sich eine Handlung auf uns auswirken kann. Wie Tiere mit diesem menschlichen Prinzip umgehen, zeigt die Studie eines internationalen Forschungsteams am Wolf Science Center der Vetmeduni Vienna. Ausgehend von der Frage ob Hunde und Wölfe auf unterschiedliche menschliche Gesten reagieren, konnten sie zeigen, dass unsere domestizierten, vierbeinigen Begleiter den kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht verstehen, Wölfe dagegen schon. Die Ergebnisse liefern einen Hinweis auf einen durch Domestikation bedingten Unterschied in der Wahrnehmung.

Wölfe verstehen Ursache und Wirkung, Hunde nicht

Die Forschenden um Michelle Lampe, von der Radboud Universität in Nijmegen, Niederlande, und Zsófia Virányi von der Vetmeduni Vienna untersuchten das Verhalten von 14 Hunden und 12 an den Menschen gewöhnten Wölfen mit drei Versuchsreihen. Die Tiere mussten dabei zwischen zwei Objekten wählen von denen eines Futter enthielt, das andere nicht.

Zuerst wurde analysiert, ob die sie alleine durch Augenkontakt oder in Verbindung mit einem Fingerzeig oder Nicken einen Futterhinweis verstehen. Im zweiten Versuch sollten Hunde und Wölfe nur auf die Geste hin das Futter finden. Im dritten Ansatz mussten sie selbst erkennen, dass ein rasselndes Objekt zu einer Belohnung führt, ein leeres Objekt dagegen nicht.

Beide, Hunde und Wölfe, erkannten aufgrund des Augenkontakts den Hinweis auf Futter. Ohne den direkten Augenkontakt, also einen direkten kommunikativen Hinweis waren dagegen keines der Tiere in der Lage selbst die Belohnung zu finden. Beim dritten Versuch, bei dem die Vierbeiner ohne einen anwesenden Menschen nur über ein Lautmerkmal zwischen einer Niete und einem Leckerli entscheiden mussten, versagten nur die Hunde. Die Wölfe zeigten in dem experimentellen Beispiel dagegen ein hohes  Verständnis für Ursache und Wirkung.

Wenn die Tiere gar keinen Hinweis bekamen, waren weder Wölfe noch Hunde in der Lage selbst die Belohnung zu finden. Damit schlossen die Wissenschaftler aus, dass die Tiere das Futter mit Hilfe ihres Geruchssinns finden konnten.

Domestikation möglicher Grund für Wahrnehmungsverlust

„Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Domestikation einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten unserer heutigen Hunde hatte“, sagt Lampe. Allerdings kann man den Einfluss nicht ausschließen, dass Wölfe mehr Forschungsdrang zeigen müssen als Haustiere. Hunde sind üblicherweise darauf konditioniert von uns Futter zu bekommen. Wölfe müssen dagegen selbst Futterquellen entdecken.

„Unsere Studie ist aber auch insofern einzigartig, da wir nicht nur genau die gleiche Geschichte, sprich gleiche Lebensbedingungen und Ausbildung bei Hunden und Wölfen hatten“, so Lampe. „Wir verglichen außerdem Hunde, die wild im Rudel und in Haushalten lebten.“ Deshalb konnte sich das Team auch mit dem den Einfluss der Domestikation unter Berücksichtigung der Lebensbedingungen auseinander setzen. „Das Ergebnis bei den Hunden war unabhängig von der Haltungsmethode. Dies macht unsere Studie zum ersten gültigen Vergleich zwischen diesen beiden Tiergruppen in diesem speziellen Setup“, sagt Letztautorin Virányi.

Doch auch die Reaktion der Wölfe auf die Gesten in Verbindung mit Augenkontakt war für die Forschenden ein interessanter Hinweis auf die Entwicklung der Wildtiere zu unseren vierbeinigen Begleitern. „Das gezeigte Verhalten der Wildtiere könnte die Domestizierung erleichtert haben“, erklärt Virányi. „Allerdings könnte die Arbeit mit sozialisierten Wölfen auch eine Auswirkung auf das Ergebnis haben, da die Tiere den Umgang mit Menschen gewohnt sind.“

Der Artikel „The effects of domestication and ontogeny on cognition in dogs and wolves” von Michelle Lampe, Juliane Bräuer, Juliane Kaminski und Zsófia Virányi wurde in Scientific Reports veröffentlicht.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Domestikation macht Hunde nicht zu besseren Teamplayern

16.10.2017: Durch die Domestikation sollten Hunde mit Menschen und Artgenossen toleranter und kooperativer umgehen als Wölfe. So lauten zumindest einige Hypothesen. Der gemeinschaftliche Umgang in bestimmten Lebensbedingungen spricht jedoch für ein kooperativeres Verhalten bei Wölfen. Forschende des Messerli Forschungsinstituts an der Vetmeduni Vienna bewiesen nun, dass die wilden Vorfahren tatsächlich ihre domestizierten Verwandten in Sachen Teamwork ausstechen. Hunde scheiterten an der Aufgabe, zu zweit gleichzeitig für eine Futtergabe an den Enden eines Seils zu ziehen. Die Wölfe zeigten dagegen perfektes Teamwork. Sie warteten sogar auf einen Partner, um gemeinsam ans Futter zu kommen. Die Studie wurde in PNAS veröffentlicht.

Hunde wurden domestiziert, damit der Mensch einen perfekten vierbeinigen Begleiter an seiner Seite hatte. Auf Eigenschaften wie Toleranz und Kooperationsverhalten wurde daher bei der Selektion viel Wert gelegt. Deshalb gibt es viele Hypothesen, dass Hunde damit auch Artgenossen gegenüber toleranter und kooperationsbereiter als Wölfe geworden sind. Gegen diese Theorien spricht jedoch der sozioökologische Hintergrund bei Wölfen, den nächsten freilebenden Verwandten von unseren vierbeinigen Begleiter, die einen sehr sozialen Umgang miteinander in ihrem natürlichen Lebensraum haben.

VerhaltensforscherInnen vom Wolf Science Center der Vetmeduni Vienna testeten nun mit einem sogenannten „loose-string“ Versuchsaufbau, ob die Domestikation Hunde wirklich zu besseren Teamplayern gemacht hat. Die Studie zeigte, dass Wölfe zusammenarbeiten können, wenn sie nur gemeinsam an Futter kommen. Rudellebende Hunde hatten zwar das gleiche Interesse an den Aufgaben, sie waren im Gegensatz zu den Wölfen aber nicht in der Lage zu kooperieren und gingen dadurch leer aus.

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Um festzustellen, ob Wölfe oder Hunde besser zusammenarbeiten können, teilte das Team Hunde und Wölfe, die gleich aufgezogen und gehalten werden, in Zweierteams ein.
Anschließend mussten die Zweiergruppen gleichzeitig an den beiden Enden eines Seils ziehen, um ein Futtertablett zu sich 
ziehen zu können. „Beim loose-string paradigm wird ein Seil durch Ösen in einem Tablett gezogen. Es ist somit nicht fixiert, sondern kann durchgezogen werden, wenn nicht zwei Tiere gleichzeitig an den Enden ziehen. Lässt etwa ein Tier das andere nicht zum Seil und zieht alleine, dann zieht es das Seil aus der Vorrichtung und das Tablett bleibt unerreichbar, erklärt Erstautorin Sarah Marshall-Pescini.

Wölfe stechen Hunde in Sachen Teamwork aus

Zuerst mussten die Zweierteams einen Spontantest lösen. Das heißt, sie wurden nicht speziell auf  den Test vorbereitet, sondern sollten von sich aus über mehrere Versuche die Aufgabe verstehen. Fünf von sieben Wolfspärchen schafften es zumindest einmal gleichzeitig an den Seilenden zu ziehen. Bei den Hunden schaffte es dagegen nur eines von acht Pärchen. In einem zweiten Test trainierten vier Wolfs- und 6 Hunde-Zweierteams zuerst an der Vorrichtung und hatten dann sechs Versuche, die Aufgabe richtig zu lösen. Wieder zeigten die Wölfe das bessere Teamwork. Drei Wolfspärchen konnten wiederholt das Tablett gleichzeitig zu sich ziehen. Bei den Hunden waren es zwei Pärchen, die allerdings nur einmal die Aufgabe lösen konnten.

Die erfolgreichen Wölfe waren sogar in der Lage schwierigere Aufgabenstellungen zu lösen. Ließ man sie einzeln in das Versuchsgehege, dann warteten sie auf den Partner, bevor sie an dem Seil zogen. Auch wenn es zwei Apparaturen gab, waren die Tiere in der Lage sich abzustimmen und gemeinsam erste die eine und dann die andere Aufgabe zu lösen. Ein wichtiger Aspekt war dabei jedoch der Rang der Tiere im Rudel. Sozial gleichgestellte Tiere arbeiteten besser zusammen, als ein Team mit einem sozial höher gestellten und einem Tier mit einem niederen Rang im Rudel.

Domestikation schafft nicht zwingend die besseren Teamplayer

Das Ergebnis dieses Experiments zeigt eindeutig den sozioökologischen Hintergrund der Wölfe als Vorteil auf, wenn es um Teamwork geht. „Wölfen wird zwar generell ein stärkerer explorativer Drang Dinge zu erkunden nachgesagt. Sie stachen die Hunde aber eindeutig aus, als es darum ging sich mit einem Partner abzustimmen“, erklärt Letztautorin Friederike Range. Auch in freier Wildbahn jagen sie gemeinsam und ziehen auch gemeinsam ihre Jungen auf. Freilebende Hunde ziehen dagegen ihre Junge alleine auf und suchen auch hauptsächlich einzeln nach Futter, meist menschlichen Abfällen. Die Tendenz Aufgaben gemeinsam zu lösen scheint somit den Wölfen eher im Blut zu liegen, als dass sie die Domestikation verstärkt hätte.

Die Hypothesen zum positiven Einfluss der Domestikation auf Toleranz gegenüber und Kooperation mit Artgenossen sollten laut Marshall-Pescini und Range in Frage gestellt werden. „Studien mit Haushunden zeigten zwar, dass Hunde auch in der Lage sind gut zusammenzuarbeiten. Allerdings spielt in diesem Fall auch die Erziehung durch den Menschen die ausschlaggebende Rolle. Wer mehrere Hunde bei sich zu Hause hält, wird sie so erziehen, dass sie sich tolerieren und auch kooperativer miteinander umgehen. Freilebende Hunde, die ja auch domestiziert wurden,  spüren diese erzieherische Maßnahme nicht. Deswegen war es uns wichtig, bei diesen Tests nicht mit Haustieren zu arbeiten und so die menschliche Komponente auszuschließen“, so die beiden Forscherinnen.

Der Artikel „The importance of a species’ socio-ecology: Wolves outperform dogs in a conspecific cooperation task“ von Sarah Marshall-Pescini, Jonas F.L. Schwarz, Inga Kostelnik, Zsófia Virányi und Friederike Range wurde in PNAS als „Early Edition“ veröffentlicht.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Beagle hat Trump im Ohr

Der Beagle Chief (passender Name) von Jade Robinson hatte Ohrenschmerzen und Jade machte für den Tierarzt ein Foto des Ohres. Ihrer Freundin viel dann auf, dass Chief einen Trump im Ohr hat.

Deutlich ist auf dem Bild das Profil des amerikanischen Presidenten, einschließlich blonder Tolle zu erkennen.

Auf Facebook fragte Jade Robinson dann die Netzgemeinde: „Ist es in Ordnung, dass ich Donald Trump im Ohr meines zweijährigen Beagles entdeckt habe?“ Dieser Post machte dann seinen viralen Weg und amüsiert die Netzgemeinde alle Kanäle.

„Es gibt so viel Negatives im Internet und für mich sind es die kleinen Dinge, die mich zum Lachen bringen und es ist schön zu wissen, dass Chief die Leute zum Lachen bringt – auch, wenn es nur sein Ohr ist“, zitiert Jade Robinson der britische Mirror.

Jetzt nutzt Robinson den Bekanntheitsgrad von Ihrem Beagle Chief und sammelt über eine Crowdfunding-Seite Spenden für die Tierarztkosten der Ohrentzündung.

https://twitter.com/JVR1992/status/927242199972155392

Ob der Trump im Ohr jetzt der Grund der Entzündung ist, wird nicht genauer berichtet.

Mythos vom toleranten Hund und aggressiven Wolf widerlegt

22.4.2015: Hunde gelten im Vergleich zu ihren Vorfahren, den Wölfen, als toleranter und weniger aggressiv. Forscherinnen des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna und des Wolf Science Center stellen dieses Image infrage. Sie zeigen in einer aktuellen Studie, dass Wölfe sogar toleranter miteinander umgehen als Hunde. Das autoritätsbewusste Handeln ist bei Hunden außerdem stärker ausgeprägt als bei Wölfen. Die Ergebnisse werden im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.

Die gute Beziehung zwischen Mensch und Hund galt lange Zeit als Ergebnis der Domestizierung. Man ging davon aus, dass besonders tolerante Tiere vom Menschen bevorzugt wurden und sich so vermehrt haben. Dadurch konnten sich die kooperativen und wenig aggressiven Hunde entwickeln. Vor nicht allzu langer Zeit wurde vorgeschlagen, dass diese Fähigkeiten nicht nur spezifisch für die Hund-Mensch-Beziehung sind, sondern auch für die Hund-Hund-Beziehung. Friederike Range und Zsófia Virányi vom Messerli Forschungsinstitut haben in ihrer Studie untersucht, ob Hunde tatsächlich weniger aggressiv und toleranter gegenüber ihren Artgenossen sind als Wölfe.

Sie führten eine Reihe von Verhaltenstests an Hunden und Wölfen durch. Die Tiere wurden im Wolf Science Center im niederösterreichischen Ernstbrunn von Menschen aufgezogen und in Hunde- und Wolfsrudeln gehalten. Insgesamt untersuchten Range und ihre Kolleginnen neun Wölfe und acht Mischlingshunde.

Autoritätsbewusstes Handeln ist bei Hunden stärker ausgeprägt

Um zu testen, wie tolerant Wölfe und Hunde gegenüber ihren Rudelmitgliedern sind, wurden je ein ranghohes und ein rangniedrigeres Tier gemeinsam gefüttert. Es gab entweder eine Schüssel mit rohem Fleisch oder einen großen Knochen.

Während rangniedrigere Wölfe das Futter gegenüber dem ranghöheren Tier häufig verteidigt haben und genauso oft aggressives Verhalten gezeigt haben wie ranghöhere Wölfe, war dies bei den Hunden anders. Rangniedrige Hunde hielten sich zurück und akzeptierten die Dominanz des ranghöheren Hundes. Insgesamt haben allerdings weder Wölfe noch Hunde sehr viel aggressives Verhalten gezeigt. Wenn überhaupt, dann hauptsächlich in Form von Drohverhalten.

„Sensitivität gegenüber einem höheren Rang scheint bei Hunden stärker ausgeprägt zu sein als bei Wölfen“, erklärt die Erstautorin Range. „Dies zeigt sich darin, dass bei den Wölfen auch die niederrangigen Tiere protestieren können und die dominanten Tiere dies tolerieren.“

„Als Menschen den Wolf domestizierten, selektierten sie wahrscheinlich möglichst gehorsame Tiere“, so Virányi. In der Hund-Mensch-Beziehung gehe es eher darum, ohne Konflikte miteinander zu leben und nicht um Gleichberechtigung. Mit seiner Fähigkeit, die Führung anderer zu akzeptieren, wurde der Hund zum gehorsamen Partner des Menschen.

Wölfe sind toleranter als Hunde

Hunde und Wölfe verhalten sich untereinander eher selten aggressiv. Range zieht folgenden Schluss: „Bereits die Wölfe besitzen ein hohes Maß an Toleranz gegenüber ihren Artgenossen. Das zeigte sich daran, dass ranghohe Wölfe im Fütter-Experiment das Drohverhalten ihrer rangniedrigeren Artgenossen tolerieren. Diese Toleranz ermöglicht die Wolf-Wolf-Kooperation. Genau diese Fähigkeit der Wölfe ist wahrscheinlich die Basis der Mensch-Hund-Beziehung.“

Der Artikel „Testing the Myth: Tolerant dogs and aggressive wolves“ von Friederike Range, Caroline Ritter und Zsófia Virányi wurde im Journal Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.

 

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien